"Mut zur Moderne" - So lief die Veranstaltung mit Nicole Büttner in Waldshut
Waldshut – Ein breites Publikum aus dem Kreis Waldshut und Umgebung haben am Freitagabend die FDP-Veranstaltung „Mut zur Moderne: KI, Wirtschaft & ein neues liberales Baden-Württemberg“ in der Stadtscheuer Waldshut besucht. Die Besucher reichten von Schülerinnen und Schülern bis hin zu Seniorinnen und Senioren.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen kurze Impulsvorträge und eine Podiumsdiskussion zu technologischer Entwicklung, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, und politischen Rahmenbedingungen. Die Beiträge verbanden politische Positionen mit wirtschaftlicher und technologischer Praxis.
Alle Sprecherinnen und Sprecher verband eine ausgeprägte Digital- und Technologieexpertise sowie ein persönlicher Bezug zu Baden-Württemberg. Gleichzeitig brachten mehrere Beteiligte Erfahrungen aus der Schweiz ein und ermöglichten so einen Vergleich unterschiedlicher wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen. Die Mischung aus Landes-, Bundes- und Wirtschaftsperspektive prägte die Diskussion.
Nathalie Wagner sieht Bildungsdefizite als Risiko für Zukunftstechnologien
Die FDP-Landtagskandidatin und Kreisvorsitzende Nathalie Wagner, brachte ihre Erfahrung als Unternehmensberaterin mit KI-Fokus ein. Sie warnte davor, Deutschlands wirtschaftliche Stärke als selbstverständlich anzusehen. Wirtschaftlicher Erfolg sei das Ergebnis langfristiger Anstrengungen und könne nicht einfach fortgeschrieben werden. Wer sich heute nicht weiter anstrenge, werde morgen überholt. Besonders kritisch äußerte sich Wagner zur Entwicklung im Bildungsbereich. Sinkende Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften seien problematisch, da Zukunftstechnologien “starke Köpfe” erforderten. Steigende Schulabgänge ohne Abschluss, besonders bei Kindern mit Migrationshintergrund, verschärften das Problem. Wagner betonte: “Die entscheidende Variable ist nicht die Herkunft an sich, sondern der Bildungsstand der Eltern. Der hohe Anteil von Zuwanderung aus bildungsfernen Milieus sorgt für diese Zahlen, nicht die Migration an sich.”
Daniel Karrais kritisiert mangelnde Umsetzung und Bürokratie
Der digitalpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Daniel Karrais, sprach über Umsetzungsprobleme in Deutschland. Viele Schwachpunkte in der Digitalisierung seien bekannt, scheiterten jedoch in der Praxis an komplexen Verfahren und einer ausgeprägten Risikoaversion in der Politik, aber zu Teilen auch in der Gesellschaft. In anderen Ländern werde schneller entschieden und pragmatischer gehandelt, während in Deutschland häufig die Sorge vor rechtlichen Auseinandersetzungen Innovation bremse. In der Podiumsdiskussion erläuterte er ausserdem, dass das Thema Technologie und Innovation in den Landtagsdebatten ausserhalb der FDP immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekomme. Er betonte: “In Baden-Württemberg gibt es eigentlich sehr viel Innovation rund um KI, welche aber kaum gesehen wird.” Nathalie Wagner sagte hierzu, dass Deutschland zwar stark in Forschung und Entwicklung sei, aber zu selten daraus marktfähige Produkte mache. Die wirtschaftliche Umsetzung wissenschaftlicher Durchbrüche gelinge häufig nicht im eigenen Land.
Nicole Büttner: Drohnen-Abwehr statt Biotonnen-Kontrolle
FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner brachte die Perspektive der Bundespartei ein und berichtete zugleich aus ihrer Erfahrung als Unternehmerin. Sie betonte, dass liberale Politik gerade in Zeiten wirtschaftlicher und technologischer Umbrüche gebraucht werde. Sie zeigte in ihrem Impulsvortrag auf, dass in Deutschland KI teils für “fragwürdige” Anwendungsfälle eingesetzt werde, etwa zur Überprüfung der richtigen Biomülltrennung, während strategisch wichtige Technologien wie Drohnen- oder Cyberabwehrsysteme vernachlässigt würden. Auf die Frage, wie sich ihr Blick auf Deutschland durch ihre Erfahrung in der Schweiz verändert habe, antwortete sie, dass trotz allem an den Standort Deutschland glaube und deswegen auch ihr KI-Unternehmen bewusst in Berlin gegründet habe. Gleichzeitig kritisierte sie eine Politik, die sich zunehmend von der Lebensrealität vieler Menschen entferne, und warb für mehr politische Beteiligung von Menschen mit beruflicher Erfahrung außerhalb der Politik. Aufgrund dessen sehe sie grosses Potenzial und “viel Platz” für den Liberalismus der FDP.
Praxisbeispiele aus der KI-Wirtschaft
Aus der unmittelbaren wirtschaftlichen Praxis berichtete Andreas Blum von der KI-Beratung Unit8, dem Unternehmen, bei dem auch Nathalie Wagner tätig ist. Blum lebt als Baden-Württemberger in der Schweiz und brachte eine explizit unternehmerische Perspektive in die Diskussion ein. Er stellte zu Beginn grundlegendes Wissen über KI dar, sodass auch Zuhörer ohne vorausgehendes KI-Knowhow folgen konnten. Vorgestellt wurde unter anderem ein Projekt zur automatisierten Bewertung und Priorisierung öffentlicher Ausschreibungen eines Energieversorgers. Zudem kritisierte er die hohen Energiekosten in Deutschland, die insbesondere für daten- und rechenintensive Technologien wie künstliche Intelligenz ein Standortnachteil seien. “Genau in solchen Zeiten, in denen viel Energie benötigt wird, schaltet Deutschland AKWs ab.”, kommentierte er in der Podiumsdiskussion. Auch verwies er darauf, dass Regulierung in der EU und in Deutschland häufig langsamer voranschreite als die technologische Entwicklung und dadurch nicht mit dem Markt mithalten könne.
Reger Austausch auch nach dem offiziellen Teil
Nach dem offiziellen Teil nutzten viele Gäste die Gelegenheit, bei Getränken und Snacks weiter zu diskutieren und sich persönlich mit den Sprechern und Sprecherinnen auszutauschen. Die ausführlichen Gespräche zeigten, dass das Interesse an konkreten Reformen und an einer zukunftsorientierten Politik in der Region groß ist. Gegen 22:00 Uhr endete die Veranstaltung.